„Robinsons blaues Haus“

Vor Jahren hatten wir im Freundeskreis eine Diskussion über virtuelles Geld. Das taucht in Mengen in diesem blauen Buch auf. Na ja, blaues Buch stimmt nicht ganz, der Titel und der Schutzumschlag sind teilweise blau. Die Rückseite ist querbeschrieben, sieht interessant aus, dass habe ich so noch nie gesehen. Und was da draufsteht, hat mich neugierig gemacht, lesehungrig. Angeblich spielt ja das Äußere eines Buches die hauptsächliche Rolle  und ist kaufentscheidend. Gekauft habe ich es jedoch nicht, ich habe es geschenkt bekommen, „Blogg dein Buch!“ heißt die Aktion.  Also:

Ernst Augustin:“ Robinsons blaues Haus (C.H.Beck)

Ich weiß wirklich nicht, was in dem Buch passiert, noch nicht einmal, ob es eine Handlung gibt und wenn ja wie viele. Anfangs tröstete ich mich damit, dass irgendeine Art Auflösung oder Erklärung auf den letzten Seiten komme. Doch je weiter ich las, desto verwirrter wurde ich. Verwundert.  Verzaubert? Ja, doch. Die Handlung fesselte nicht, aber die Sätze! Die Wörter. teefarbenes Licht… bernsteinfarben… Man grüßt aus Versehen…. Er verfehlt sogar den Türgriff... Ich habe das Buch nicht“ am Stück“ lesen können, wie gewöhnlich, denn oft vielen mir beim Lesen  längst vergessen geglaubte Episoden meines Lebens ein, an die ich mich erst wieder erinnern wollte. So dauerte es zwei Wochen, bis ich fertig war.

Aber wer ist denn nun dieser Robinson???? Ganz zu schweigen von Freitag? Meine Theorie: Der hat einen an der Klatsche! (Völlig unprofessionell, dies hier so zu schreiben!) Mein erster Impuls vor dem Schreiben über das Buch: Googeln, was andere darüber schreiben. Aber wenn mir schon der intellektuelle Zugang zum Verstehen des Buches fehlt, kann ich mir Literaturkritiken auch sparen. Und der Autor hat schon sehr viel geschrieben und wird mit Preisen überhäuft. Auf dem Klappentext über Ernst Augustin steht, dass er Psychater war. Und das er er, da er seit einigen Jahren blind ist, „in noch verbliebenen Innenwelten“ lebt und schreibt. Spielt sich also auch hier bei Robinson alles im Kopf ab? Reisen. Wohnen. Leben. Verfolgt werden. Verlieben. Identitäten wechseln. Überhaupt: Wohnen. So viele Gedanken!

Das Lesen ist auch eine Reise. Wir sind mal hier, mal da, wieder woanders. Wohnen. In der Lirchen, in Besenkammern, Kerkern, Wolkenkratzern, auf Bambusmatten. Als ich noch irgendeine Art Begründung lesen wollte, erschien es mir chaotisch. Ich konnte mir alles so gut vorstellen, sah es quasi vor mir – und schon musste dieses Bild verschwinden, da ein neues gemalt wurde.

Im Moment lese ich „Robinsons blaues Haus“ noch einmal. Stellenweise. Zum Genießen. Der Sprache. Vielleicht verstehe ich diesen Robinson diesmal?

„Meine Phantasie ist zu allem fähig“ Ernst Augustin

Ernst Augustin: „Robinsons blaues Haus“ , Roman, 2012, gebunden, 319 Seiten,  C.H.BECK, ISBN 978-3-406-62996-9

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Eine Antwort zu „Robinsons blaues Haus“

  1. wortsplitter schreibt:

    ich habs auch nicht verstanden 🙂 für mich hat es viel von einem Bild von einem Künstler mit Schizophrenie, bunt, verzerrt, verwinkelt, aber verzaubernd. Wie ein Spiegelkabinett vielleicht? Oder doch eher eine Kiste in einer Kiste in einer Kiste, beleuchtete natürlich … mit Teefarbenem Licht ;D

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