Italiener sprechen italienisch

Neulich hatte Familie Berger Hunger. Den ganzen Tag schon haben sie die Route Nr. 1 abgefahren und sich die Pampa, die sich völlig unbewohnt über viele Kilometer hinzog und Hochebene von Pampeda heißt, die steinzeitlichen Felsengräber und einige wenige Dörflein an den unmöglichsten Orten besichtigt. Der nächste Insider-Tipp des Last-Minute-Reiseführers vom Flughafen war ein Restaurant im nächsten Dorf:“Zia Giavonna hinter der sehenswerten romanischen Kirche -altmodisch und eng, herzliche Atmosphäre, frische Hausfrauenküche.“ Da wollten Bergers nun hin. Am Dorfeingang gabelte sich die Straße, zahlreiche Wegweiser führten nach links, andere nach rechts. Während Frau Berger noch hektisch in der Karte blätterte fuhr Herr Berger geradeaus. Direkt vor das empfohlene Restaurant, vor dem ein „Aperto“-Schild verkündete, dass man hineingehen kann. Bergers freuten sich, als sie viele gedeckte Tische sahen, grüßten laut „Buengiorno“ und setzten sich an den Nebentisch zweier Männer. Die riefen etwas nach hinten, Frau Berger interpretierte das mal als „Kundschaft!“ auf italienisch. Und richtig, ein junger Mann kam aus der Küche und brachte denen das Essen. Bergers blickten erwartungsfroh – ins Leere. Erst nach ein paar Minuten kam der Kellner wieder (wahrscheinlich hat er erst Mut angesammelt) und fragte Bergers etwas. Frau Berger bedauerteinsgeheim, ihren Reiseführer mit den wichtigsten italienischen Sätzen im Auto gelassen zu haben. Herr Berger erkundigte sich als erstes nach den Sprachkenntnissen der hiesigen Bevölkerung: „Deutsch?….. English?“ Die Antwort war zunächst Kopfschütteln, dann die Frage an den Nachbartisch, ob die denn Englisch könnten. Dann rief der Kellner laut: „Mamma!“ Mama kam, besichtigte die hergefundenen Touristen und fragte, ob sie denn Italienisch könnten. Bergers zeigten auf die Teller, ihre Mägen, das Essen auf dem Nachbartisch und machten dazu internationale Gesten. Signore Kellner kam wieder, ein kleines Langenscheidt-Wörterbuch in der Hand und übersetzte „Pasta“ ins Englische. Zu seinem Erstaunen hieß das auch Pasta! Frau Berger nickte überdeutlich: „Si, Pasta!“ Herr Berger brachte seine hervorragenden, in fremden Ländern angesammelten Sprachkentnisse zur Anwendung: „Vino!“ Mamma und Signore Kellner waren ratlos. Da nahte Rettung in Gestalt des Kochs. Der besichtigte die Versammlung und wusste sofort Rat: „Computer!“ Aber noch ehe er ins Obergeschoss verschwinden konnte, zeigte Herr Berger noch einmal auf die gefüllten Teller der Signores am Nachbartisch, die kauend das Spektakel verfolgten. Mamma sprach nun überdeutlich solche Wörter wie „Antipasti“, „Ragout“ und „Pasta“, und Familie Berger nickte dazu jedesmal überschwänglich. Zu dritt verschwanden sie wieder in der Küche. Dann wurde aufgefahren. Brot, Wein, mehrere Sorten Schinken, Salami, Käse, Rührei, Dicke-Bohnen-Salat, gefüllte Tomaten, Auberginen und eingelegte Paprika. Bergers machte sich fröhlich an das Vertilgen und Leeren der vielen Teller. Zufriedene Sättigung stellte sich ein, als abgeräumt wurde. Da kam die nächste Schüssel, Nudeln mit Fleischstückchen. Als diese aufgegessen waren, sagte Herr Berger so  etwas wie „bene“ zum Signore, der freute sich. Frau Berger erkundigte sich bei ihrem Gatten, ob und warum er denn jetzt auch noch Eisbein bestellt hätte. Schon kam Signore wieder und der unterste Teller des Gedeckes zum Einsatz. Vor Bergers wurden noch einmal zwei Schalen abgestellt: Hasenragout mit Kartoffeln und Oliven und eine Art Kesselfleisch mit Gewürzen. Herr Berger suchte unauffällig eine Blumenvase, um darin etwas davon unterzubringen, Frau Berger wollte unter Nachbartischservietten die Teller dekorieren. Ein paar Anstandsbrocken wurden in den Mund geschoben. Das Dessert wurde dann  von beiden kategorisch abgelehnt, der Kaffee passte gerade noch hinein. Herr Berger verlangte in perfektem Italienisch die Rechnung „il conto, per favore!“ und Signore brachte sie. Bergers waren überrascht. Drei Gänge, 300 % Sättigung mit leckeren Speisen, Rotwein, den Frau Berger aus fahrtechnischen Gründen fast alleine austrinken konnte, Kaffee und Bekanntschaft mit dem gesamten Haushalt – und das für 40 Euro. (Da war sogar noch das Trinkgeld dabei). Bergers taumelten aus dem Speisesaal. Hinaus in die grelle Nachmittagssonne. Mit dem Gefühl, nie wieder etwas essen zu können.

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Eine Antwort zu Italiener sprechen italienisch

  1. Karsten Bode schreibt:

    Hab ich irgend was verpasst ???? 🙂

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