Energie, koste es was es wolle

Schön ist es, den  Radweg entlang der Weser zu fahren. Es soll sogar der schönste, beliebteste Fernradweg Deutschlands sein. Wir sind in vier Tagen natürlich nicht den ganzen Weg abgeradelt, von Hann Münden bis Minden wollten und sind wir. Mitten in der lieblichen Landschaft stehen direkt an der Weser zwei Atomkraftwerke (und noch eins an der Unterweser). Da radelt man am anderen Weserufer so vorbei.

Würgassen

Würgassen

Sieht gar nicht aus wie ein Kernkraftwerk? Nun, es befindet sich im „Rückbau“, von 1971 (andere Quelle: 1975 ?) bis 1994 war es in Betrieb, 72.922 GWh Strom wurden erzeugt. (Gibt es eine Rechnung, was der Bau an Energie verbraucht hat? Und was der Rückbau für Energie verbraucht?) Es gab sehr viele Proteste, Abschaltungen, Zwischenfälle, Radioaktivitätsfreisetzungen (völlig ungefährlich, wurde festgestellt!), einen Flugzeugabsturz nur 8 km entfernt und auch einen unerklärlichen Uranfund in einem Vorgarten in Lauenförde. 1994 hat der TÜV Risse am Stahlmantel des Reaktorkerns festgestellt und die Genehmigungsbehörden verlangten einen Zylinderaustausch. Da hatte PreussenElektra keine Lust mehr. Oder keine damals veranschlagte 200 Millionen DM? Die Stadt Beverungen  bekam keine Millionen Gewerbesteuern mehr. Der Rückbau soll 2014 erledigt sein. Die Kühltürme sind „weg“, die Brennelemente „zerlegt“ und alle Teile zwischenlagern da so rum. Oder werden in der Weltgeschichte rumgekutscht, nach La Hague oder auch nach Schweden. Geplant ist wohl, den radioaktiven „Abfall“ im Schacht „Konrad“ „endzulagern“ (Von „entsorgen“ wie bei unserem Hausmüll traut sich zum Glück keiner zu sprechen.) Welch eine gigantische Arbeitsbeschaffungsundgeldvernichtungsmaschinerie! Über 50 Unternehmen, über 400 Mitarbeiter, (davon 120 Eon-Personal), 70 Millionen Euro soll es kosten.

Insgesamt gibt es in Deutschland 15 ehemalige Kernanlagen, die „rückgebaut“ wurden und werden. Und 8, die voriges Jahr „abgeschaltet“ wurden (Betriebsgenehmigung erloschen). 9 Kernkraftwerke sind in Betrieb. Eins davon ist das KWG Grohnde:

Grohnde

Grohnde

In Sichtweite picknickten und übernachteten wir, wir radelten über den schönsten der Wesercampingplätze (der hatte wenigstens Hecken) durch die liebliche Landschaft, die Weser fließt ruhig dahin. Etwa 80 000 Menschen leben im Umkreis von 10 km in kleinen Dörfern, größere Städte (Hannover, Hildesheim, Bielefeld) sind auch nicht weit. In den letzten 1000 Jahren hat es hier innerhalb 200 km keine großen Schäden durch Erdbeben gegeben. Der Standort ist also sicher.

Ab 1975 wurde gebaut und von sehr vielen Menschen sehr heftig protestiert und demonstriert, die „Schlacht um Grohnde“ war ein gewalttätiger Höhepunkt. 1985 ging das Kernkraftwerk ans Netz und erzeugt Energie, die Betreiber (EON) sind stolz auf ihre produzierte Energiemenge. Zum Jahresende 2021 soll die Abschaltung erfolgen („Atomgesetz“) Da fließt noch viel Wasser die Weser runter. Was wohl die Politiker, die das beschlossen haben, dann machen?

Proteste gibt es natürlich immer noch, immer wieder auch Demonstrationen und Aktionen. Auch das Castoren „zwischengelagert“ werden, gleich neben dem Reaktorgebäude ist äußert bedenklich.

Wir radeln vorbei, Richtung Hameln, es ist nicht mehr weit. Auf der Weser ein paar Paddelboote, bequem mit der Strömung treibend. Der Blick zurück auf blühende Wiesen, der Traktor pflügt das Feld, die Weser, strahlender Sonnenschein. Die Kühltürme lassen weißen Dampf in den Himmel ab. Direkt am Radweg ein Schild: Naturschutzgebiet.

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