Schneller als gedacht

Schneller als Hacke, Grubber,  Rasenmäher und Wurzelstecher im Dauereinsatz Herr der Lage zu sein versprechen, holt sich die doofe Natur den Garten zurück. In Form von hochgewachsenem Giersch, Grasbüscheln an unmöglich zu erreichenden Stellen, überwucherndem Rhabarber und lästigen Wildkräuterlein im aufgehenden Blumensamen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren blieben die Pflanzen bisher jedoch weitgehend von den Schleimviechern verschont. Das verleitete mich letzte Woche, mal wieder Salat zu pflanzen. Nach vielen Jahren ein neuer Versuch. Und hätte ich doch nur noch eine der über 50 Dahlien, die so schön die verschiedenen Stellen im Garten bebunteten, in vergangenen Jahren. Doch die gefräßigen Schnecken hatten den Bestand dezimiert, es blieben Ende Mai immer weniger Strünke zurück. Salat also. Petersilie, Koriander und Dill vorsichtshalber wieder in Töpfen. Es scheint alles gut angewachsen zu sein.

Dann kam der erste Regen .Seit Wochen. Und nochmal. Immer wieder. Eigentlich wunderbar, es wächst wieder und die Gießerei hält sich in Grenzen.

Vor drei Tagen habe ich dann die erste ertappt! Es war genau 20 Uhr 30, ich sprintete hinaus, um meine Lieblingsnachbarin beim Rhabarber ernten zu erwischen, da sah ich sie auf dem Schnittlauch. Die gemeine Nacktschnecke! Doch ich war vorbereitet, ein Schraubdeckelglas und ein langes Schäufelchen lagen schon griffbereit und ich sammelte etwa 10 Schnecken aus dem Kräuterbeet. Kleine und auch schon vollgefressene große. Die Tagetes werden es wohl nicht mehr schaffen. So gehe ich jetzt abends und morgens wieder auf Jagd, in den letzten Jahren war so ein Gurkenglas innerhalb eines Tages gut gefüllt. Früher habe ich die Hühner damit gefüttert, aber wer will schon Eier essen, deren Mütter sich von Unmengen Schnecken ernähren! Eiweißschock! Also wanderten die vollen Gläser in die Mülltonne.

Liebe Tierfreunde! Ihr braucht mir jetzt gar keine Grausamkeit, Unsittlichkeit, Quälerei  oder Folter vorzuwerfen! Mein Mittel gegen die Schneckenplage ist eben absammeln, einglasen und wegschmeißen. Ich zerteile sie nicht, vergifte sie nicht und schmeiße sie schon gar nicht auf den Kompost. Ich rede ihnen auch nicht gut zu, sich doch oben auf dem Feld oder im wilden Nachbargrundstück zu vergnügen. Ich schmore sie im eigenen Saft. Und das ist gut so.

Heute haben sie zurückgeschlagen. Das Schraublas stand seit heute Morgen halbgefüllt und griffbereit auf dem Mäuerchen vor dem Schnittlauch. Doch der Deckel lag daneben! Keine einzige Schnecke mehr darin. Die sind einfach abgehauen! Wüste Phantasien durchfahren mein Gehirn. Wie die Schnecken „Zugleich!“ sich gegen den Deckel werfen und ihn aufschleimen, gegen den Uhrzeigersinn. Wie sie sich sich eilig in die Büsche schlagen: „Jetzt jede allein!“ Wie sie sich kichernd an meiner Verzweiflung weiden: „Die findet uns nie!“ Bei meiner Familie finde ich keine moralische Unterstützung, sondern nur unpassende Bemerkungen. Den Beamtenwitz „Als ich mich nach ihnen bückte, husch, husch, waren sie weg!“ traute sich aber dann doch keiner laut auszusprechen.

Jetzt lauere ich an der Haustür, mit Handschuhen, Eisenpickel und Glas bewaffnet und voller Rachegedanken. Euch werd ich’s zeigen!

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2 Antworten zu Schneller als gedacht

  1. Regina schreibt:

    🙂 ich sammel die Viecher auch, bei mir landen sie aber hinter dem Garten auf der Weide, sollen die Kühe sich damit befassen 😉 die kommen sicher auch wieder aber das dauert weil sie ja auch noch über einen Wall kriechen müssen, l G Regina

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  2. Matthias schreibt:

    Das mit den Schraubgläsern ist keine schlechte Idee. Leider haben wir keine Restmülltonne im Garte.
    Aus Sicht der Schnecken müssen sie den Deckel übrigens im Uhrzeigersinn drehen.

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