Muttertagsfreuden

  • Die Türen im Haus klappen. An andere Türen wird heftig geklopft. Ich falle bald aus dem Bett, muss aber noch bleiben. Draußen sehe ich zwei Kerle Blumen pflücken, brav in Nachbars Garten. Das machen sie seit 15 Jahren so, an diesem einen Tag. Vor 16 Jahren haben sie im eigenen Garten gepflückt. Sie haben hoffentlich ihr Wir-machen-Mutter-eine-Freude-und-dieses-Gemecker-Trauma überwunden.
  • Der Frühstückstisch ist liebevoll vollgestellt und dekoriert. Beide Kerle drücken mich und wünschen mir alles Gute. Der Gatte gibt mir feierlich die Hand. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann wir das letzte Familienfrühstück hatten. Da war das Leben bestimmt noch schwarz-weiß.
  • Es klappert in der Küche. Drei Männer am Herd. Sie arbeiten am Mittagessen. Zusammen waren sie angeln und die Forellen kommen gleich auf den Tisch, meine hoffentlich ohne Kopf. „Wir wären dann gleich soweit!“ wird gerade zu mir ins Kabuff gerufen. „Jetzt gehts lo-os.“ Ich setze mich an den Tisch. Das große Kind auch. Die Tiere werden serviert.GroßF. spricht liebvoll zu seiner Forelle, die an beiden Seiten des Tellers überhängt:“Hallo!“ KleinF. nimmt einen Kopf vom Grätenteller und fragt handpuppenmäßig in meine Richtung: „Na, hat es geschmeckt?“ Hat es.
  • Ohne Widerworte wird der Geschirrspüler bedient, mehrmals sogar wegen der ungewohnten Anzahl der Personen und Mahlzeiten. Ich meditiere auf dem Sofa rum und bilde mich medial weiter. Ausschließlich Filme mit schönen Männern werden gezeigt. Inzwischen hat die Sonne auch die Gartentemperatur etwas erhöht und ich nehme meine Nachmittagsweinschorle unter Vogelgezwitscher im Gartensessel ein.
  • Der zweifelsohne Höhepunkt des Tages nähert sich: Wir lassen einen fahren!
  • Während der Gatte sich hinter dem Haus in die Lüfte erheben wird, habe ich die ehrenvolle Aufgabe, die Studentenbrut im Stundentakt zum Bahnhof zu fahren und zwischendurch zu fotografieren. An Publikum wird es nicht mangeln. die Kirchengemeinde grillt an der Grotte und wird sicherlich für sein Seelenheil bei der Himmelfahrt beten.
  • Ah, ich höre gerade, dass sich die Kindelein entschlossen haben, später zu fahren. Wunderbar.Da können wir ja zusammen Tickets an die Zuschauer und Getränke verkaufen! Der Gatte bekämpft seine Nervosität mit dem Check seines multimedialen Equipments. Und jetzt geht jeder nochmal aufs Klo, dann reiten wir los.
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Eine Antwort zu Muttertagsfreuden

  1. Lieblingsnachbarin schreibt:

    Angeberin (ich meine wegen der Weinschorle)

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