Regeln für Fernsehautoren II

 Serien und Komödien 

a) Grundregeln

In Komödien geht man bei einem Schlag auf den Kopf niemals K.O., sondern verliert das Gedächtnis. Ein weiterer Schlag auf den Kopf bringt das Gedächtnis zurück.

Liegen sich Frau und Mann aus einem völlig harmlosen Grund in den Armen, so hat genau in diesem Moment der eifersüchtige Ehemann aufzutauchen, der alles missversteht und für Zoff sorgt.           

Kein Hauptdarsteller einer Komödie darf an Farbeimern, offenen Kanalschächten oder Hundehäufchen vorbeigehen, ohne in diese Hineinzutreten.

Auf Hochzeiten hat der Bräutigam stets den Ring vergessen.   

Im Hindergrund muss das Lachen von mindestens 50 Leuten sein, obwohl sich im Raum nur 1 Person befindet. Das Lachen sollte immer gleich klingen.

b) Wohnungen

Kein Serienheld darf in einer Bude leben, die nicht mindestens dreimal so groß ist wie die, die sich ein normaler Mensch unter gleichen Umständen leisten könnte.

Der Fernseher hat stets in der Mitte des Raumes, mit der Rückwand zum Fernsehzuschauer zu stehen. Hinter dem Fernseher sollte ein Sofa sein, wo eine ganze Elefantenherde Platz hätte.       

Das Sofa darf natürlich den Preis von sechs Monatsgehältern nicht unterschreiten.

Sämtliche Freunde und Feinde wohnen gleich nebenan, so dass sie laufend reinplatzen können, um was Lustiges zu erzählen, was Böses anzustellen oder was Peinliches mitzuhören.

c) Familie           

Helden einer Serie heiraten nur Frauen mit 4 Kindern und einer im Haus wohnenden Schwiegermutter, was allein schon spielend Stoff für mindestens 100 Folgen hergibt!

In Komödien ist jede Familie verpflichtet, mindestens einen Angehörigen zu haben, der schwerhörig, kurzsichtig, schwul oder sonst wie behindert ist und dadurch laufend für komische Situationen sorgt!

Einer geschiedenen Frau gelingt es unabhängig von Alter, Aussehen oder Kinderzahl immer, innerhalb von 30 Minuten einen erfolgreichen, sympathischen und gutaussehenden Partner zu finden.

d) Kinder            

Fernsehkinder dürfen niemals mit Spielzeug werfen, wie am Spieß brüllen, die kleineren Geschwister verdreschen, ihre Eltern hassen oder die Haustiere quälen. Sie müssen zu jeder Zeit das genaue Gegenteil normaler Kinder sein.           

Von ihren Eltern werden Fernsehkinder stets als vollwertiges Familienmitglied angesehen und auch von den kompliziertesten Entscheidungen immer um ihre Meinung gefragt.     

Fernseheltern lassen sich von ihren Kindern tagtäglich nach Herzenslust beschimpfen, beleidigen und belehren, ohne dass sie den vorlauten Bälgern jemals eine scheuern.

e) Krankheit und Tod   

Erkrankt ein Held, so wird er mit Blaulicht auf die Intensivstation des besten Krankenhauses gebracht, wo er sofort vom berühmtesten Professor betreut wird – auch wenn er sich nur das rechte Ohrläppchen gezerrt hat.   

Stellt ein Seriendarsteller an den Produzenten zu hohe Gagenforderungen, so stirbt die von ihm gespielte Figur innerhalb von 30 Minuten an einer tödlichen Krankheit.

Stirbt eine Serienfigur an einem Unfall, so ist sie deshalb noch lange nicht tot. Sie kann jederzeit innerhalb der nächsten Woche mit einen neuen Gesicht wieder auftauchen.

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