Durch Zeit und Raum

am Eingang

am Eingang

Überfällig der Besuch seit vielen Jahren, die Grabungsstätte bei Bilzingsleben stand schon in meinem Geschichtsbuch als Fundstelle des Urmenschen. Und nun ein Ausflug dorthin, durch Dörfer und Städtchen, die uns noch nicht einmal vom Namen her bekannt waren, erst in Bilzingsleben selbst einige kleine Hinweisschilder. Die Steinrinne Bilzingsleben – ein überschaubares, umzäuntes Areal, ein kleiner Parkplatz mit zwei weiteren Autos, eine Art Turm mit der Kasse und einem Filmvorführbereich im oberen Teil. (Den Film vom mdr kann man sich auf der tube ansehen)  Für 5 Euro bekommt man einen geprägten Taler als Eintrittsgeld und kann sich einen Film anschauen und auf dem Gelände umsehen. Falls wir eine Führung wünschten, sollten wir uns melden. Natürlich wünschten wir. Und so führte uns der Chef selbst, Enrico Brühl, durch das Gelände und die Ausstellungshalle. Dabei erklärte er alles so verständlich und eindringlich, dass wir gut folgen konnten und auch erkennen konnten, was wir sehen. Und sahen, was war. Vor 370 000 Jahren. Riesige Elefanten, Nashörner, Hirsche, Biber, Pferde Wildschweine, Bären, Pflanzen, ein See und an dessen Ufer eine Siedlung. Und der Urmensch hatte es wirklich drauf, wie sich durch die Funde zeigte:

  • geologische Glücksfälle haben dazu geführt, dass es so Knochen und Werkzeuge erhalten sind (der Fundhorizont wurde konserviert)
  • die Fundstelle ist schon sehr lange bekannt (seit der Travertin hier abgebaut wurde und schon 1710 Funde schriftlich erwähnt)
  • möglicherweise die mit etwa 400.000 Jahren älteste bekannte Darstellung eines menschlichen Gedankens (auf einem Elefantenknochen eingeritzt)
  • das älteste von Menschenhand geschaffene Bauwerk (ein mit Steinen und Knochen gepflasterter Platz)
  • einzigartige Fülle von Feuersteinartefakten, Geräten aus Stein, Knochen und Geweih, Tier- und Pflanzenresten (Bisher 5 Tonnen Fundmaterial!)
  • Funde zahlreicher Schädelfragmente, die den Homo erectus als Träger dieser Kultur bestimmen
  • Das Lebensbild des Urmenschen lässt sich in einem Umfang und in einer Detailfülle rekonstruieren, wie weltweit an keiner anderen derzeit bekannten Fundstelle.

Wir bekamen noch viel mehr Informationen und Antworten auf unsere Fragen. Und je mehr ich jetzt nachlese, desto interessanter wird es und ich frage mich wirklich, wieso wir erst jetzt den Weg nach Bilzigsleben gefunden haben. Nach diesen erstaunlichen Entdeckungen ließen wir uns Forellen aus Wipperwasser schmecken, besuchten noch die Runneburg und den Chinesischen Garten in Weißensee. Aber darüber schreibe ich ein Andernmal. Noch ein paar Fotos:

Ausstellungshalle

Ausstellungshalle

Schädel und Zahn

Schädel und Zahn

Fundstelle

Fundstelle

eingeritzt

eingeritzt

Schnitt

Schnitt

Schreibtisch

Schreibtisch

P.S. Auf einem Foto ist die Umzäunung zu erkennen. Ja, das ist original Grenzzaun, mit abenteuerlicher Geschichte der Beschaffung.

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