Wie wir das neue Jahr erreichten

Der letzte (und auch der erste) Tag forderte allen Teilnehmern sportliche Höchstleistungen ab: Statt einem wohltuenden Nickerchen nach dem mittäglichen ColaSchwein auf nach Rezept gruppenzwangmäßiges bergauf laufen. Während die einen schnauften, laut von Ebikes träumten, knieschleimbeutelentzündeten oder rucksacktragverweigerten, stürmten der Frischoperierte und seine Deckshand unerschrocken voran und waren aus purer Gewohnheit als erste am Jägerhütten-Ziel. Dort wurden zur Erbauung altersgerechte Getränke zum Seniorenfeuerwerk gereicht.

Vergnügungen

Vergnügungen

Als die Sonne hinter den Bäumen verschwand, kam vermehrt der Wunsch nach einem wärmenden Feuer auf. Der einzige Raucher der inzwischen größer gewordenen Sternwandergruppe verfügte über ein Feuerzeug, dennoch musste er laut zugeben, dass er kein Holz mitgebracht habe. Die Erkenntnis traf ihn wie eine Silvesterrakete, er zeigte aufgeregt mit dem Arm in den Wald: „Aber da ist ja eins!“ Nun war kein Halten mehr, jeder trug sein Scheitlein zur Feuerstelle, der Oberkokler spritzte erbeuteten Brandbeschleuniger in hohem Bogen dazu und jeder wollte ein anderes Rauchzeichen geben. Die abschließende Aufstellung zum Erinnerungsgruppenfoto gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht, Bier, Glühwein, Eierpunsch, Taschenrutscher und Eierlikör führten zu spontanen Anfällen von gepflegtem Übermut.

Feuerwache

Feuerwache

Heimwärts ging es größtenteils bergab und bald konnten wir uns im Warmen um den Küchentisch gruppieren und schon mal etwas Antrinken. Es war noch genügend Zeit, bis die restlichen Gäste kommen würden, so konnten wir mit der persönlichen Restaurierung und Ausgestaltung noch etwas warten und später in eine bequeme Unterhose schlüpfen. Mit Martini wollten wir gerade auf unsere glückliche Wiederkehr aufstoßen, als plötzlich aber nicht unerwartet noch einige Gläser mehr gefüllt werden mussten, da es wiederholt an der Haustür läutete. Das Wunder der Zeitzonenverschiebung erstaunte uns eine Weile, bis doch einer die Entdeckung machte, das eine Gerberablüte den großen Zeiger der Wanduhr in seinem Lauf behinderte.

Nach den köstlichen Bratwürsten mit Kartoffelsalat und dem Auftauen des Grillmeisters gingen wir zum Höhepunkt des Abends über: Der Diskussion um die Modalitäten des Wichtelns. Jeder versorgte sich noch mit einem ausreichenden Getränkevorrat und quetschte seinen Hintern auf ein freies Plätzchen, dann begann das noch entspannte Sechsen-Würfeln, gefolgt vom erstaunten Auswickeln der Päckchen in verschiedenen Farben und Größen. Und dies: Schadenfrohes Gelächter, atemlose Spannung und hektische Bewegungen in den letzten Minuten des Tauschwürfelns und das entsetzte Feststellen, dass man seine Beute ja mit nach Hause nehmen muss. Nie gab es in der Geschichte des Silvesterwichtelns in diesem Hause hässlichere Stehrümchen! Eine kleine Auswahl:

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Ein erfolgreicher Würfler haderte sogar den Rest des Jahres, weil er von seiner Gattin darüber aufgeklärt wurde, dass sein Erwichteltes, über dessen Funktion, Farbgebung und Existenz er sich öffentlich erboste, seit Jahren als Herbstdeko den heimischen Wohnbereich schmückte.

Mit manierlicher Zuführung alkoholischer Getränke und diversen Gesprächen vertrieben wir uns die noch übrige Zeit bis zum mitternächtlichen Umarmen und Glückwünschen. Die zwei anwesenden Frühjugendlichen konnten dann unter Aufsicht ihrer väterlichen Erziehungsberechtigten auf der Straße ihre Raketen und das Taschengeld des gesamten Jahres verheizen. Wir mussten auch nur einmal hinter einem zum Glück großen Auto Schutz suchen. Was für  Knaller!

Eine leckere Mitternachtssuppe stärkte uns, die einen für den erforderlichen Heimweg, die anderen für weiteres Herumsitzen. Einige haben auch gute Vorsätze für das neue Jahrverkündet: M. aus J. möchte keine Geräusche mehr machen beim Hinsetzen, Aufstehen oder Schuhezubinden. Dieser Vorsatz wurde mehrfach plagiiert oder adaptiert, das Jahr bei J. aus D. steht jetzt unter dem Motto: „Keine Stöhne-Töne!“ I. aus K. nahm sich vor, nur noch positive Dinge zu sagen. Dieser Vorsatz wurde gleich nach dem Aufwachen verletzt, als er oder sie sich im Bett umdrehte. Das nächste Mal, als er oder sie sich beim Zähneputzen im Spiegel sah. Apropos Zähneputzen: Beim jährlichen Anwiegen stellte ich fest, das meine Zahnbürste, das fette Schwein, schon wieder drei Kilo zugenommen hat.

Anwurf

Anwurf

Sportlich begann dann das neue Jahr nach dem mehr oder weniger Ausschlafen und dem Brunch: Der Gang in die Kneipe. Zum Kegeln. Am aufregendsten war natürlich das Sargkegeln, wobei wir bei der Aufstellung an der Tafel alphabetisch ordneten. Das führte zu schnellem www. (wilkewisch&weg) und einem Vater-Sohn Duell, nachdem der gegnerische ProfiKegler von der Tafel gefegt wurde.

Unter einem klaren Sternenhimmel gingen wir wieder nach Hause, wo sich Völlerei und Zockerei wiederholte. Sahnelachs mit Spinatbandnudeln, Bier und Wein, Quirkle, Bluff, HimbeerMascarpone und Quirkle, Bluff. Ich habe nur ein einzige Spiel gewonnen, aber wenigstens konnte ich den babyblauen Bierstrumpf für den Warmtrinker fertigstricken. Mit diesem Kunstwerk soll der erste Bericht des Jahres enden.

Bierstrumpf

Bierstrumpf

All meinen Lesern ein gesundes, erfolgreiches, kreatives, sportliches und fröhliches neues Jahr!

 

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3 Antworten zu Wie wir das neue Jahr erreichten

  1. isabelladonna schreibt:

    Nachtrag: Bei der Verabschiedung äußerte ich mein Bedauern, dass die Besuchszeit schon wieder vorbei sei. Da klopfte sich U. aus W. auf den Bauch: „Aber die Erinnerungen bleiben!“

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  2. Uli Rösch schreibt:

    Apropos Zähneputzen: Du solltest beim Anwiegen nicht so viel Zahnpasta auf die Bürste machen.
    So kommt man besser zum positiven Sagen.

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  3. Steffi schreibt:

    Oh ja, lauter schöne Erinnerungen…
    Für die guten Vorsätze im neuen Jahr hat die Zeitungsgruppe Thüringen einen Kalender 2014 im Angebot, der heißt „Weg damit“. Die dort angepriesene 3-Kisten-Methode zum Aufräumen (1. Müll, 2. unbedingt behalten, 3. Verschenken oder verkaufen, können andere noch gut gebrauchen) erweitere ich auf Kiste 4: Stehrümchen und Hängerümchen fürs Silvesterwichteln. Ich glaube, die ist als erstes voll!

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