Erste Sätze

Die ersten Sätze einer Geschichte, eines Artikels oder gar eines Buches sind – was? Entscheidend für den Kauf oder eine Empfehlung? Der Beginn eine Lesevergnügens oder des Hoffens auf eine fesselde Lektüre? Der Albtraum der Autoren mit oder ohne Schreibblockade oder Motivation weitere Sätze zu schreiben? Werden die ersten Sätze wirklich zuerst geschrieben?

Ich werde hier im Laufe des Jahres die ersten Sätze von verschiedenen Büchern, die mich beeindrucken, heraussuchen. Die irgendwie besonders sind. Von besonderen Autoren, von besonderen Büchern, von besonderer Art.

Beginnen wird meine Lieblingsautorin, die ich sehr bewundere: Isabel Allende. Natürlich habe ich die deutschen Ausgaben gelesen, eigentlich haben diese Sätze ja die Übersetzer geschrieben. Das eine oder andere habe ich aber auch auf Spanisch, nicht nur die ersten Sätze stimmen überein. Obwohl sie ja ihrer Bücher in Englisch schreibt. Ich liebe sie jedenfalls alle, und als ich eben die ersten Sätze abschrieb, wusste ich, dass ich sie alle noch und noch lesen werde. Man muss danach einfach weiter lesen!

  • Vor einer Woche verabschiedete mich meine Großmutter mit einer tränenlosen Umarmung am Flughafen von San Francisco und schärfte mir noch einmal ein, wenn mir mein Leben lieb sei, dann solle ich mit keinem, der mich kennt, in Verbindung treten. (Mayas Tagebuch)
  • Fangen wir vorne an, mit einem Ereignis, ohne das Diego de la Vega nicht auf die Welt gekommen wäre. (Zorro)
  • Jeder Mensch wird mit einer besonderen Begabung geboren, und Eliza Sommers entdeckte frühzeitig, daß sie über deren zwei verfügte: einen guten Geruchssinn und ein gutes Gedächtnis. (Fortunas Tochter)
  • Auf einen Befehl von Michael Mushaha hielt der Tross Elefanten an. (Im Bann der Masken)
  • Meinem Leben fehlte es nicht an Dramatik, zirkusreifes Material, über das ich schreiben könnte, findet sich mehr als genug, und doch weiß ich am 7. Januar nicht, wohin mit mir. (Das Siegel der Tage)
  • Ich kam an einem Dienstag im Herbst 1880 in San Francisco zur Welt, im Haus meiner Großmutter mütterlicherseits. (Porträt in Sepia)
  • Alexander Cold schreckte im Morgengrauen aus einem Albtraum auf. (Die Stadt der wilden Götter)
  • Mit meinen vierzig Jahren ist mir, Zarité Sedella, mehr Glück beschieden gewesen als anderen Sklavinnen. (Die Insel unter dem Meer)
  • Ich bin Inés Suárez, Bürgerin der königstreuen Stadt Santiago de la Nueva Extremadura im Königreich Chile.(Inés meines Herzens)
  • Sie zogen über die Straßen des Westens, ohne Eile, an kein Ziel gebunden, sie änderten die Richtung nach der Laune eines Augenblicks, nach dem warnenden Vorzeichen eines Vogelschwarms oder der Lockung eines unbekannten Namens folgend. (Der unendliche Plan)
  • Hör mir zu, Paula, ich werde dir eine Geschichte erzählen, damit du, wenn du erwachst, nicht gar so verloren bist. (Paula)
  • Ich heiße Eva, das bedeutet Leben, wie in einem Buch zu lesen war, in dem meine Mutter nach einem Namen für mich suchte. (Eva Luna)
  • „Barrabas kam auf dem Seeweg in die Familie“, trug die kleine Clara in ihrer zarten Schönschrift ein. (Das Geisterhaus)
  • Der erste Sonnentag ließ die noch winterfeuchte Erde dampfen und erwärmte die zerbrechlichen Knochen der Greise, so daß sie auf den fürsorglich geebneten Gartenpfaden wandeln konnten. (Von Liebe und Schatten)
  • Ihr Name war Belisa Crepusculario, aber nicht auf dem Taufschein oder von ihrer Mutter her, sondern weil sie selber nach ihm gesucht hatte, bis sie ihn fand und ihn annahm. (Der verwunschene Palast)
  • Die fünfziger Jahre sind im Leben wie die letzte Stunde des späten Nachmittags, wenn die Sonne untergeht und man naturgemäß zur Nachdenklichkeit neigt. (Aphrodite)
  • Horacio Fortunato war gerade sechsundvierzig Jahre alt geworden, als die Frau in sein Leben trat, die imstande war, ihm seine Rüpelallüren auszutreiben und die Aufschneiderei abzugewöhnen. (Geschenk für einen Braut)
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2 Antworten zu Erste Sätze

  1. isabelladonna schreibt:

    Bald, bald erscheint ihr neuer Roman „Ripper“. Auf ihrer Gesichtsbuch-Seite verlinkt Isabell zum ersten Kapitel. Hier der erste Satz:

    „Mom is still alive, but she’s going to be murdered at midnight on Good Friday,” Amanda Martín told the deputy chief, who didn’t even think to question the girl; she’d already proved she knew more than he and all his colleagues in Homicide put together.

    „Mi madre todavía está viva, pero la matarán el Viernes Santo a medianoche», le advirtió Amanda Martín al inspector jefe y éste no lo puso en duda, porque la chica había dado pruebas de saber más que él y todos sus colegas del Departamento de Homicidios.

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  2. Ein wenig Spanisch kann ich ja, aber um einen Roman in dieser schönen Sprache lesen und vor allem verstehen zu können, reicht es bei weitem nicht. Ich liebe die Art, wie Allende schreibt, auch und überhaupt bewundere ich diese Frau!

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