MOB – Manöver

Mann über Bord

Mann über Bord

Bei unserem Skippertraining haben wir intensiv MOB- Manöver geübt (MOB- Mann über Bord, gerne auch als Person über Bord bezeichnet.) Natürlich haben wir erst alle Manöver  gefahren, jeder mehrmals, bis wir zunächst die Bergung besprachen und die Möglichkeiten ausloteten, bevor es „Ernst“ wurde. Während ich aber aus dem geschützten Gewässer und außerdem vor Anker „gerettet“ wurde, sprang Eberhard unerschrocken in die raue Ostsee, bei ordentlich Wind und Welle (SW 5 -5, 1 m Welle) . Hier ist sein Bericht mit einer Einschätzung der Übung:

Erste Bergetechnik: Spifall
– erster Versuch ohne Lifeline im Wasser: wenn das Schiff (hier: Hamburger Manöver –>es kommt aus Luv, beiliegend treibend, auf dich zu) dann in Luv neben dir ist: Leinenverbindung herstellen. Hier: Spifall mit Karabinerhaken zugeworfen. Fangen und fixieren: Du hast nur wenige Sekunde Zeit, den Karabiner am Lifebelt (=Öse an Rettungweste) festzumachen, denn das beiliegende Schiff driftet bei dem Wetter ja weiter, 2-3 kn.
Gelernt: Keine Chance. Du findest die Öse nicht – Zugriff und Blick ist versperrt durch die prallen Auftriebskörper! Bist sofort achteraus, schleppst hinterher, manchmal unter Wasser, hältst dich krampfhaft am rettenden Spifall fest, bis du nicht mehr kannst…
– nächster Versuch: bin mit angelegter Lifeline ins Wasser gefallen… und hielt bei Annäherung des Schiffes eine Gurtschlaufe in der Hand. Wieder das beiliegend treibende Schiff, Spifall sicher übernommen. Dann den Gurt in den Karabiner des Spifalls einklinken … gelang nur zur Hälfte, das Gewebe des Gurtes verhakte im scharfkantigen Öffnungskante des Karabiners. Kostete viel Kraft, den Gurt vollständig in den Kaken einzubringen (wäre wohl auch mit eingeklemmten Gurt o.k. gewesen). Doch bin ich wieder einige Meter hinter das Heck der Amara gekommen.

Beim Näherkommen hatte ich den Eindruck, dass nicht die bewegende Heckkante (der Spiegel) so gefährlich ist – ich habe mich dort auch einige Zeit am „Badegriff“ problemlos festhalten können- sondern vom runden seitlichen Bereich des Freibordes (Rumpf im Bereich; Ruder, Cockpit) die Gefahr des „Kopfstoßes“ ausgeht. Dort habe ich mich mehrfach abhalten und wegstoßen müssen -das Schiff treibt ja „beiliegend“ fortgesetzt auf dich zu und im ausladenden Heckbereich „über“ dich-

Gelernt: Großer Karabiner (oder Schäkel) am Spifall, Karabinerhaken der Lifeline bereithalten und einhaken (einschlagen!), sofort die Lose aus dem Fall holen, dass du gar nicht hinter das Schiff kommst.Gefahr geht vom seitlichen Heckbereich aus.

Bergung am Spifall: Das aus-dem-Wasser-gezogen-werden ist unangenehm, weil die ganze Montour Richtung Hals drückt, hat aber ein freundliches Ende in den Armen der Retter. Der „Kurbler“ (Uli) meinte: auch im „Mädchengang“ habe er tlw. nicht mehr drehen können, so schwer sei das Aufholen des Verunfallten gewesen (Spifall reibt seitlich am Mast und auch über die Dirk!) Das Kurbeln dauert einige Minuten.

Zweite Bergetechnik: Bergesegel

Nachdem wir im Vorgespräch an Bord unser bisheriges Rettungswissen auf dem Salontisch ausgebreitet hatten, kam auch „die Fock als Bergesegel“ auf selbigen. Einschätzung: unhandlich und viel zu groß (Seglfläche im Sturm), Geretteter kann zwischen langem Unterliek und Rumpf durchfallen. Also keine erfolgversprechende Rettungsvariante.

Aber: „pick up sail“ (OLEU; H´hafen), ein 2,5x3x3 m Rettungsinstrument mit Gurten, Drainagenetz und Wasserballast.

Gelernt: bei der Erprobung vor Anker war die Anbringung zeitaufwendig (für alle das erste Mal), die Rettung des Verunglückten dann aber ein „Kinderspiel“ und vom Geretteten (am ersten Tag: Isabell) als „optimal“ empfunden.

Bergung per Bergesegel bei 1m Welle und treibendem Schiff:
Voraussetzung: Es besteht Leinenverbindung und du wirst von der Crew zum Bergesegel (in Lee) gezogen.Wenn du es greifen kannst, zieht du dich bzw. robbst auf das in Lee ausgebrachte schwimmende Segeltuch, dessen Kopf mit dem Spifall in Höhe der Deckskante geführt wird. Das Aufholen erfolgt mit halbem Kraftaufwand vergleichsweise zügig (doppelter Weg). Du rollst unter dem unteren Relingsdraht an Deck. Das integrierte Drainagenetz verhindert den „Wassersack“. Gurtführung verhindert das Durchfallen zwischen Liek und Deckskante. Das war´s.

Mein (=Eberhard`s) Resumée:
Er ist fast egal, mit welchem SegelManöver (Quickstopp, Q-Wende, Gefahrenhalse, Hamburger Manöver) das Schiff zum Verunglückten kommt. Ich sehe einen kleinen Vorteil im Hamburger Manöver.
Erste Priorität bei Schiff in Fahrt und Wind+Welle hat die Leinenverbindung!
1. Ohne Leinenverbindung geht gar nichts.Herstellen einer sicheren Leinenverbindung mit dem Karabiner deiner
Lifeline muss der erste Schritt sein..
Du hältst einen Karabiner deiner Lifeline in der Hand.

-eine kurze Leine (hier Spifall) sollte einen größeren Schäkel/Karabinerhaken haben, an dem du dich mit deiner Lifeline einpickst.

-eine längere Leine (achteraus geschleppt, Fender am Ende) sollte eine/mehrere Schlaufen (Handgriffe –> Schmetterlingsknoten)
haben an denen du dich festhalten und einpicken kannst.

Fahrt/ Drift des Schiffes so gering wie möglich

2. Nach Leinenverbindung ist die Fahrt des Schiffes so gering wie möglich zu halten (ggf Motor?).
Größer 3 kn Drift „ertrinkst“ du in deiner Bugwelle!

3. Die Crew holt/zieht dich zum Schiff – möglichst zur Leeseite

4. Du hältst dich aktiv frei von der Bordwand im Achterschiffbereich.

Bergung in Lee

5. Leebergung bei weniger Welle, kurzer Holeweg.

6. Bergung mit Spifall geht mit unerfahrener Crew, besser: Bergesegel an Spifall-
die Anbringung (und Ablauf) muss! vorher! geübt werden !!!

Falle nicht über Bord!!!

7. Unternehme alles um nicht über Bord zu fallen !

Auch erfahren:
– dass die gelbe Farbe der Auftriebskörper im Wasser sich  nicht deutlich vom Weiß der Schaumkämme abhob, signalrote Farbe ist besser. Die Crew der Amara hatte mich kurzzeitig aus den Augen verloren…. (Wäre wohl nach 2-3 Stunden bei Leuchtturm Flügge gestrandet und von Lh-Wärters Töchterlein -Susi ist ihr Name- gerettet worden…).

– wurde mit ausgelöster Rettungsweste mehrfach von Wellen überspült, weil du dich im Wind wie eine Windfahne ausrichtest -Kopf nach Lee- und das Wasser der Wellenkämme durch die Auftriebskörper direkt Richtung Mund und Nase gelenkt wird. Ansonsten ist das Treiben und Warten auf das rettende Schiff nicht schwierig.

 

Danke Eberhard, für deinen Bericht, und dass ich ihn hier veröffentlichen darf!

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