Wo das Moos wächst und wie das Wasser fließt

 Orientieren kann man sich im Wald an den Bäumen mit Moos, welches an der Wetterseite, also vorwiegend westlich, wächst. Das habe ich schon als Kind gewusst. Doch jetzt muss ich das überdenken und überprüfen. Denn beim Wald- Guru, Peter Wohlleben, habe ich gelesen: „...Denn unter dem schützenden Dach der Baumkronen ist es windstill, und der Regen fällt meist senkrecht nach unten. Wo das Moos zu finden ist, wird von einem ganz anderen Umstand bestimmt.“ (Gebrauchsanweisung Wald, S.150) Bäume wachsen gar nicht ganz gerade nach oben, sie sind gekrümmt, wie eine Banane, schreibt er. Na so was. Stimmt. Habe nachgeguckt. Und wo wächst jetzt das Moos? Da die Laubbäume mit ihren Ästen sozusagen das Regenwasser einfangen und am Stamm entlang zu den Wurzeln leiten, spielt hier die Biegung die entscheidende Rolle. An der Oberseite läuft ein kleiner Bach, an der Unterseite fallen die Tropfen herab, so das der darunter liegende Teil der Borke keine Feuchtigkeit mehr enthält. Und an dieser Seite kein Moos wachsen kann, sondern an der nassen anderen Seite. Der Moosbewuchs zeigt also nur an, wo die Krümmung ist, nicht die Himmelsrichtung. „Und weil jeder Baum nach einer anderen Seite gebogen ist, zeigt der Moosbewuchs mal hierhin, mal dorthin…“ Ich warte jetzt auf Regen, um das zu sehen. Als ob ich noch nie im Wald gewesen wäre. Endlich weiß ich auch den Grund, warum an Nadelbäumen seltener Moos wächst. Deren Äste leiten das Wasser nämlich weg vom Stamm, weshalb es da trocken ist. Und noch etwas zum Thema Wasser: eine ausgewachsene Buch transportiert an einem heißen Sommertag etwa 500 Liter Wasser, von unten nach oben, pro Stunde! Clever, die Buchen! Wenn es regnet, leiten sie das Wasser außen an sich selbst nach unten, innerhalb des Kambriums, unter der Borke, wieder nach oben. Bis ganz nach oben, 30 Meter und mehr!

 Doch zurück zur Regensammelei. Im Hainich haben wir bei unserer Wanderung neulich eine Messstation der Uni Jena entdeckt. Mitten im Wald sind viele verschiedene Arten von „Messbechern“ aufgestellt. Ein Schild erklärt das Vorgehen etwas. Auf der angegebenen Website hoffte ich, Ergebnisse, Daten zu erfahren, doch leider bin ich dort nicht fündig geworden. Mich würde auch interessieren, wie oft die Mengen abgelesen werden. Spielt die Krümmung der Buchen wirklich eine so große Rolle? Fragen über Fragen.

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5 Antworten zu Wo das Moos wächst und wie das Wasser fließt

  1. Franny schreibt:

    Vom Blog und den detailreichen Fotos immer wieder mit Dank sehr angetan hier angemerkt: Die Messungen zum Wassertransport, den Mengen, den Geschwindigkeiten (gar noch durch Siebplatten bzw. Zellwände hindurch (Tipp privat und offline unter uns Pastorentöchtern: „Kambium“ ohne „r“ bitteschön? ) und den dabei auftretenden Kräften sind mehr als schwierig – gefundene Angaben stammen m.W. durchweg immer noch aus Experimenten vor WWII. Da hat sich niemand mehr wirklich rangetraut, wohl auch, weil die Messwerte eigentlich unglaublich hoch liegen. Und son für uns gerader oder gebogener Baumstamm ist sowieso schon in sich verdreht gewachsen: Mit möglichst geringem Materialeinsatz möglichst hohe Festigkeit und gleichzeitig Elastizität – ökonomisch³. Davon können wir Schlauberger, denen für weiterführende Erkenntnisse wohl ohne Schuld mindestens die Vierte Dimension fehlt, träumen…

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  2. Franny schreibt:

    Die Bio-Kollegin hätte das mit dem Kambium gerne wissen dürfen, Kambrium hoffentlich auch. Allerdings sind die vorgeschriebenen Vorlesungen und Praktika schon vor Jahrzehnten krass zusammengestrichen worden. Zum Exempel: 2 Semester ganztägiges Grosspraktikum (Mo bis Frei von 8 bis 18, Sa 8 bis 12) heutzutage gerade noch 1 Semester Mo bis Frei von 9 bis 12… Ohne Eigeninitiative zum Überdentellerrandschauen wird es dann schon sehr dünn.
    Der oft fotografierte, verdreht abgestorbene Olivenbaum im Boriedorf bei Gordes steckt auch in meinem alten Album: Wenn ich wüsste, wie rüberspielen…

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  3. Franny schreibt:

    Wobei der Baum bei Gordes doch ein Mandelbaum war – hab mir das Foto gerade angesehen und hätte das natürlich besser vorher getan…

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